Der Geschiebesammler

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Thema Sammlungsauflösung: Sie sammeln, Mineralien, Fossilien, Gesteine, Muscheln & Schnecken? Was passiert eines Tages mit der eigenen Sammlung? Hier ein paar Gedanken aus der Erfahrung bei der Auflösung von mittlerweile fast drei Dutzend Sammlungen. Vorab, wir haben sie alle in gute Hände vermittelt.

 

Geschiebesammler 47 (1), 2014: 153-158

 

„Wer sammelt, bleibt..."

Gedanken zum Anlegen und zum Verbleib der eigenen Sammlung

von Frank Rudolph

 

Vorbemerkungen

Viele liebe Sammlerfreunde sind inzwischen von uns gegangen, die meisten viel zu früh. Irgendwann heißt es aber für jeden von uns, Abschied zu nehmen. Tag und Stunde sind uns zum Glück unbekannt. Und darauf vorbereitet ist man nie; auch ein Sammler nicht. Für die Angehörigen folgt eine schwere Zeit, manchmal sogar im wörtlichen Sinn. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen lieben Menschen und eine manchmal riesige Sammlung von erdgeschichtlichen Dokumenten, Zeitzeugen aus Milliarden Jahren Erdgeschichte. Ich habe inzwischen mehr als zwei Dutzend Sammlungen auflösen müssen oder auflösen dürfen. Jede ist anders und die Erfahrungen dabei sind Inspiration für die folgenden Bemerkungen

 

Einleitung

„Wer sammelt, macht Geschichte", so der Titel eines Ausstellungskataloges der Mineralientage München aus dem Jahr 1988. Wenn ein Sammler in seinem Sammlerleben also möglichst viele Sammelobjekte anhäuft, nimmt er dadurch automatisch seinen Platz in der Geschichte ein? Zumindest in der jüngsten Erdgeschichte? Oder zumindest in der Geschichte seiner Sammlergruppe?

Es gibt viele Arten des Sammelns und genauso viele Arten von Sammlungen. Jede ist einzigartig. Jeder Sammler setzt seine eigenen Schwerpunkte, hat Lieblings-Fundorte, die er zum Teil jahrzehntelang bereist hat. Die Mehrheit der Sammlungen hat einen zentralen Kern und ganz viele Randbereiche. In den meisten Sammlungen liegen Funde aus der näheren Umgebung des Wohnortes. Exkursionsziele, die schnell zu erreichen sind, vielleicht nach Feierabend oder auf der Wochenendsammeltour. Neben dem lokalen Bezug machen Funde auf Urlaubsreisen einen weiteren großen Teil der Sammlung aus. Vulkanisches Gestein von den Kanaren, Dolomit aus den Dolomiten oder ein Stücken vom Ayers Rock, der Besuch eines Steinbruchs in Franken mit einem ortsansässigen Sammlerfreund oder die zufällig entdeckte Muschelbank in einer Hotelbaugrube in Ägypten - überall lassen sich Funde machen, die mitnehmenswert sind. Allemal sind sie zu schade, um liegengelassen zu werden. Also ergänzen sie die eigene Sammlung, oder man plant, sie einmal einem Sammlerfreund oder dem jugendlichen Nachwuchs zu überlassen. Bei der guten Absicht bleibt es dann.

Sie sehen, ich habe das Wort „sammeln" bewusst häufig in den Text eingebaut. Viele setzen „sammeln" mit „anhäufen" oder „zusammentragen" gleich. Böse Zungen sprechen von „raffen". Eine echte Sammlung ist mehr als eine bloße Anhäufung von Steinen, Mineralien oder Fossilien. Eine Sammlung ohne die entsprechende Dokumentation ist (meistens, aber nicht immer) wertlos, zumindest für die Wissenschaft. Natürlich ist ein ästhetischer Reiz und manchmal auch ein materieller Wert nicht abzustreiten, aber eine echte Sammlung hat, gerade im naturwissenschaftlichen Bereich, viel mehr zu bieten.

 

Für Sammler und Erben

Ein Sammler, der seinem Hobby mit Begeisterung nachgeht, wird viel Zeit und Geld investieren, für Reisen und Fachliteratur, sammlungsergänzende Stücke auf Sammlerbörsen oder Fachmessen, für Vitrinen, Sammlungsdöschen, Binokular und Computer. Dem Sammler tut kein Cent davon leid, vielleicht dem Ehepartner, aber man gönnt dem anderen ja sein Hobby von Herzen.

Mit der Zeit muss eine Sammlung somit ja einen enormen Wertzuwachs zu verzeichnen haben. Ich erinnere mich an einen Anruf. Ein Sammler war verstorben und hatte einen Kellerraum voll Fossilien und Mineralien hinterlassen. Es wäre auch schon ein Ehepaar dagewesen, das einen Steineladen in einer touristisch geprägten Region hat, Fachleute halt, und die hätten die Sammlung auf einen Wert von 96.000 € geschätzt. So oder ähnlich. Toll, ich bin reich. Wenn ich alle Arbeitsstunden zusammenrechne, das Fahrgeld für tausende von Kilometern und die Kosten für das Sammlungszubehör, würde ich dann mit all meinen Steinen auf so einen Betrag kommen? Wer würde mir diesen denn bieten? Nicht einmal mein Finanzamt käme mir da auf halbem Weg entgegen. Verzeihen Sie, aber Sammeln als Wertanlage dürfte für 95% der Sammler nicht in Frage kommen. Welcher Sammler kauft für 100.000 € eine Sammlung? Oder für 10.000 €? Ein erfahrener Sammler braucht vielleicht ein paar Ergänzungsstücke für die eigene Sammlung. Vieles passt gar nicht zu seinem eigenen Sammelgebiet, und Platz hat er sowieso nicht mehr. Ein Jungsammler, und derer gibt es ja gar nicht mehr viele (siehe Nachwuchssorgen jeder (!) Sammlergruppe) würde sich über eine große Sammlung vielleicht freuen, aber er hat als Schüler, Student, Berufsanfänger, mit junger Familie... gar kein Geld, um so hoch zu investieren. Und die wenigsten hätten Platz, eine „fertige" Sammlung unterzubringen. Vielleicht hat die Familie ein großes Haus geerbt, oder man wohnt auf einem Resthof oder einer alten LPG mit zahlreichen Nebengelassen, aber welchem Sammler ist soviel Platz beschieden? Und ein Händler? Der pickt sich entweder ein paar Einzelstücke aus der Sammlung heraus, die er irgendwann veräußern kann, oder er bietet für die gesamte Sammlung so wenig, dass einem die Tränen kommen.

Machen Sie sich rechtzeitig Gedanken über den Verbleib Ihrer Sammlung. Nehmen Sie Kontakt auf zu Museen, die Interesse haben könnten. Reden Sie mit Ihren Sammlerfreunden über Ihre Wünsche. Wir haben schon Sammlungen aufgelöst, bei denen auf einzelnen Objekten, Sammlungsschränken oder in Schubladen Namen von Freunden standen, die diese Stücke erben sollten.

 

Ins Museum?

Alle Museen leiden unter chronischem Platzmangel. Wenn eine Sammlung trotzdem einem Museum angeboten werden soll, muss sie einige Voraussetzungen erfüllen: Die Sammlung muss penibel dokumentiert sein. Fehlen Fundortangaben, ist sie für ein Museum oder ein Geologisches Institut schon wertlos. Viele Museen haben einen regionalen Schwerpunkt. Sammlungen aus dem entsprechenden Gebiet kann man Heimatmuseen schon abieten. Eine hochwissenschaftliche Spezial-Sammlung, horizontiert gesammelt und jedes Stück akkurat etikettiert kann auch für große Museen wie Senckenberg (Frankfurt / M.), das Museum für Naturkunde (Berlin), die Bayrischen Staatssammlung für Paläontologie (München) oder das Staatliche Museum für Naturkunde (Stuttgart) interessant sein. Geschiebesammler haben es dabei noch schwerer, ein geeignetes Museum zu finden. Nehmen Sie mit dem Kustos Kontakt auf und klären Sie, ob eine Übernahme in Frage kommt und welche Bedingungen erfüllt sein müssen. Es gibt ein Verzeichnis aller öffentlichen „paläontologischen Sammlungen in Deutschland" von Jansen & Steiniger, erschienen 2002 bei Schweizerbart. Es kostet 17,- € und kann über die Schriftleitung bestellt werden. Hier kann man sich über Museen und Institute seiner Heimat informieren, soweit man diese nicht sowieso schon kennt.

In nicht wenigen Sammlungen befinden sich Holotypen, die nach einer wissenschaftlichen Bearbeitung und Publikation zwar in den Privatsammlungen verblieben sind, anschließend aber in einer öffentlichen Sammlung hinterlegt werden sollten. Man kann geteilter Meinung sein, ob Holotypen überhaupt in einer privaten Sammlung verbleiben dürfen. Wichtig ist in jedem Fall, dass diese Stücke besonders gekennzeichnet werden und von Jedermann (auch ohne Fachkenntnisse!) als bedeutungsvoll erkannt und später der vorbestimmten Institution übergeben werden. Die Witwe eines Sammlerfreundes war seiner Sammlergruppe gram, vielleicht weil niemand von der Krankheit ihres Mannes wusste oder sich gekümmert hatte. Die Sammlung wurde einem in Sammler- und Wissenschaftskreisen Unbekannten weitergegeben. Zwei bedeutungsvolle Abbildungsbelege und ein Holotyp verschwanden. Das wissenschaftliche Werk ihres Mannes hat sie somit fast zerstört. Holotypen sollen mit einem roten Sammlungszettel oder einem Etikett mit einem rundherum roten Rand gekennzeichnet werden. Abbildungsbelege, also Originale zu Publikationen mit einem roten Streifen an einem Rand. Bei der Auswahl eines Museums oder Instituts ist auch zu bedenken, ob es die Einrichtung in 50 Jahren noch geben wird. Ein privates Museum übersteht kaum die nächste Generation, Holotypen gehen dann verloren. Zwar ist auch ein Geologisches Insitut keine Garantie (Holotypen aus russischen Sammlungen konnte man vor einigen Jahren auf allen größeren Fossilienbörsen kaufen), aber die Wahrscheinlichkeit ist doch bedeutend höher, dass diese Stücke die Zeiten überdauern. Eine staatliche Einrichtung ist hier die bessere Wahl als das Heimatmuseum, dass der Willkür örtlicher Politik unterworfen ist.

 

Zu Lebzeiten

Mancher Sammler bringt es fertig, sich noch zu Lebzeiten von seiner Sammlung zu trennen. Kein leichter Schritt, zugegeben, doch kenne ich eine Handvoll Sammler, die es geschaft haben. Vielleicht hat sich das Interesse verlagert, statt Steine sammelt man nun Modellautos, Dampfmaschinen oder Briefmarken. Oder man behält nur noch einen kleinen, zentralen Kern der einst riesigen Felslandschaft im eigenen Keller zurück. Man hat sich spezialisiert, nimmt nur noch Funde mit, die beim Sammeln in die Hosentasche passen oder aus der hauseigenen Kiesgrube stammen. Mikrofossilien nehmen viel weniger Platz weg als Ammoniten. Manchmal ist auch der Umzug in eine altersgerechte Wohnung oder eine Seniorenresidenz Anlass, die Sammlung zu verkleinern oder ganz aufzugeben. In diesem Fall kann man selbst entscheiden, was mit seinen geliebten Exponaten geschieht, ein ganz großer Vorteil. Vielleicht kann man sogar noch einen finanziellen Zuschuss für den nächsten (steinfreien) Urlaub erzielen, zumindest weiß man aber seine Stücke in guten Händen.

 

Was ist meine Sammlung wert?

Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, Ihre Sammlung könnte das finanzielle Überleben Ihrer Nachfahren absichern. Das Sammeln selbst ist der Zweck des Hobbies, frei nach „der Weg ist das Ziel". Werte häuft man damit nur selten an. Und selbst wenn vollständige Ichtyosaurier, riesige Seelilienplatten, ein versteinerter Fischschwarm oder ein echtes Dino-Skelett die Sammlung zieren: Haben Sie Kontakte, fünfstellige Summen von einem potentiellen Käufer zu bekommen? Ihre Angehörigen werden kaum jahrelang über die Börsen der Welt ziehen, um die letzten Stücke der Sammlung gewinnbringend zu veräußern. Ein Haushaltsauflöser wollte für eine Sammlung tertiärer Mollusken 1.200,- € haben. Es war die erste Fossiliensammlung, die er bekommen hatte und er hoffte auf das große Geld. Bei einer telefonische Anfrage war von einer sehr großen Sammlung die Rede. Nach der Besichtigung von 20-25 Flats und einer Kiste mit größeren Stücken würde ich die Sammlung auf deutlich weniger als die Hälfte des angesetzten Betrages schätzen. Vielleicht endet die Sammlung jetzt kartonweise in einer Internetauktion oder wird zerstückelt an Touristen verkauft. Schade. Ich habe einmal eine Sammlung besichtigen dürfen, in einem Keller, hinter einer schweren, mehrfach gesicherten Panzertür verborgen. Eine der wenigen Sammlungen, die tatsächlich einen beträchtlichen finanziellen Wert haben dürften. Riesige Mineralstufen klassischer Fundorte. Doch dürfte es schwierig werden, diese Sammlung in einem würdigen Rahmen wertgerecht weiterzugeben.

 

Raubritter

Auch die gibt es, vor allem in Sammlerkreisen. Kaum hat man die Nachricht von dem schmerzlichen Verlust eines Fossilien- oder Mineralienjägers erhalten, werden die Hinterbliebenen kontaktiert und mit Übernahmeangeboten konfrontiert. Oft genug schon, bevor der Verstorbene bestattet wurde. Man mag meinen, dass allein schon der Anstand dieses Verhalten verbietet, aber dem ist nicht so. Man muss der erste sein, der Besitzansprüche anmeldet, der Verblichene hätte es so gewollt. Und es könnte ja jemand kommen, der die Rosinen aus dem Kuchen pickt, bevor man selbst gesichtet hat, welche Stücke der eigenen Sammlung am besten zu Gesicht stünden. Hier gilt es vor allem erst einmal Ruhe zu bewahren, überstürzen Sie nichts. Vielleicht möchten der Ehepartner oder die Kinder die Sammlung oder zumindest einen Teil davon selbst behalten. Ganz wichtig sind dabei Erinnerungsstücke, die man gemeinsam gefunden hat oder die dem Sammler besonders ans Herz gewachsen waren. Die Erben sollten später von sich aus an Sammlerfreunde oder Sammlergruppen herantreten. Vielleicht kann man einen Kontakt schon vorbereiten, einen Nachlassverwalter seines Vertrauens benennen. Aber keinesfalls sollte man dem ersten, nicht selten sogar unbekannten Anwärter sofort die steinernen Hinterlassenschaften übertragen, auch wenn er sich als langjähriger Sammlerfreund zu erkennen gibt. Notieren Sie sich seine Daten für eine spätere Kontaktaufnahme.

 

Sammlungsauflösung

Ich habe sehr viele Sammlungen gesehen, mehr als zwei Dutzend aufgelöst. Jede Sammlung ist anders, bei jeder Sammlung ist ein anderes Vorgehen notwendig. Was hätte sich der/die Verstorbene gewünscht? Welche Erwartungen haben die Erben? Sind wissenschaftlich bedeutungsvolle Stücke darunter? Das sind die ersten Fragen, die sich im Fall des Falles stellen. Viele Sammler kannte ich persönlich, kenne Schwerpunkte, besondere Stücke und Neigungen. Wenn eine Sammlung verkauft werden soll, gilt es zunächst, eine Wertschätzung abzugeben. Dabei sollte man keine allzu hohen Erwartungen haben. Eine vierstellige Summe wird man nur bei außergewöhnlichen Sammlungen erzielen. Das beste wäre natürlich, wenn die gesamte Sammlung einen einzigen Abnehmer finden würde. Doch das gelingt nur in Ausnahmefällen. In der Regel wird die Sammlung aufgeteilt: die wissenschaftlich bedeutungsvollen Funde werden herausgesucht und einem Museum / Institut angeboten. Das Kernstück der Sammlung, vielleicht eine Spezialsammlung aus Seeigeln, Bernstein oder kristallinen Geschieben, sollte man versuchen, zusammen zu lassen und en bloc weiterzugeben. Das viele Beiwerk kann einzeln, regal-, schubladen-, karton- oder fundortweise angeboten werden. Häufig wird eine Sammlung in der regionalen Sammlergruppe versteigert. In der Kieler Gruppe haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, jede Schublade, jedes Regalfach komplett anzubieten. Wer ein Stück haben möchte, muss die anderen dazu nehmen. Startpreis wie bei einer großen Auktionsplattform im Internet ab 1,- €, bei besseren Stücken auch 5,- € oder 10,- €. Für gute Kollektionen werden nach der Erfahrung 20,- bis 50,- € erzielt, vieles geht für 1,- bis 5,- € weg. Ein ganzer Kellerraum voll Steine bringt vielleicht 1000,- €, selten mehr. Aber er wird bei der regalbodenweisen Versteigerung wenigstens komplett leergeräumt. Manchmal bekommt auch die Sammlergruppe einen Teil des Erlöses als Spende zugedacht, dann steigert man vielleicht noch etwas höher. Die Sammlerfreunde bekommen auf diese Weise ein Erinnerungsstück, die wissenschaftlich bedeutungsvollen Stücke sind gerettet und bleiben der Nachwelt erhalten (und damit verbunden auch der Name des Sammlers). Und was wirklich überbleibt kann man an Schulen geben oder Museen zur Verfügung stellen, die Erlebnispädagogik anbieten und die Stücke an Kinder verschenken. Und wenn ein nicht ganz vollständiger Ammonit, ein Haizahn oder eine Schnecke bei einem Kind Interesse wecken und vielleicht sogar als Initialzündung einen neuen Sammler hervorbringen, ist doch schon viel gewonnen. Es gibt viele schöne Sammlungen, die wir so sinnvoll aufgeteilt, im Kern erhalten und bei Sammlerfreunden untergebracht haben.

Die wohl beeindruckendste Sammlungsauflösung haben wir vor ein paar Jahren machen dürfen. Aus dem Nachlass eines Hamburger Sammlerehepaares stand das gesamte Obergeschoss eines Einfamilienhauses zur Disposition. Etwa zu gleichen Teilen Mineralien und Fossilien, etwa 10 Meter feinster Schubladenschrank mit Systematik, ein Raum voll größerer Stücke, viel kleines Solnhofen-Material, > 1.000 Sandproben aus aller Welt. Die Zeit drängte, das Haus sollte verkauft werden. Wir haben mit einigen Sammlerfreunden dann einen 7,5-Tonner gemietet und alle Fossilien nach Wankendorf transportiert, die Mineralien hat glücklicherweise ein befreundeter Sammler übernommen. Per e-mail und Internet haben wir die Sammler im Norden informiert und zu einer Versteigerung eingeladen. Geplant war, die Auktion draußen, zumindest unter einem Doppelcarport stattfinden zu lassen. Aber just an dem geplanten Februar-Wochenende war ein derartig nasses und kaltes Wetter, dass wir die eigentliche Versteigerung in unser Wohnzimmer verlagern mussten. Angesichts des angekündigten Besucherstromes haben wir die Möbel zusammengerückt, einen Billigsteppich zur Schonung des Bodenbelages ausgelegt, Schmalzbrote geschmiert und Punsch gekocht. Viele werden sich an die Aktion erinnern. Seither wissen wir, dass 65 Leute in unser Wohnzimmer passen. Alle Stücke fanden Abnehmer und nach Abzug aller Kosten blieben noch 1.500 € Erlös aus dem Verkauf für die Angehörigen über. Eine tolle Aktion, bei der sicherlich alle Parteien zufrieden waren.

Aber es gibt auch andere Beispiele. Ich habe schon Sammlungen gesehen, die wir fast komplett „hinter den Knick gekippt" haben. Ein „Staubsauger", der alles mitgenommen hat, was nicht rechtzeitig weglaufen konnte. Kartonweise halbe Ammoniten aus Franken, abgerollte und max. 10 Millimeter große Knochenfragmente aus Südfrankreich, zerschlagene Schnecken, Stücke, die man keinem Anfänger anbieten kann, dazu kistenweise (oder manchmal auch kellerweise) unpräparierte Stücke, die man sich für schlechte Zeiten aufgehoben hat. Das Material hätte wohl noch 300 Jahre gereicht, nun haben die Angehörigen ein schwergewichtiges Problem. Oder der Sammler, der Jahrzehnte in süddeutschen Steinbrüchen unterwegs war. Der winzige Kellerraum, kaum größer als 5 m², war ringsum und dicht an dicht mit Regalböden versehen, auf denen Schwämme, Ammoniten, Ammoniten und Schwämme standen, dazwischen hundertfach Brachiopoden. Vieles vielfach, nur weniges in wirklich brauchbarer Qualität, aber auch das gab es. Die geforderten 1.000,- € schienen gemessen an der sich stets wiederholenden Ware utopisch. Sammeln Sie also mit Bedacht.

 

Abschließende Hinweise

Straffen Sie Ihre Sammlung. Sortieren Sie zweit- oder drittklassige Stücke rechtzeitig aus. Kennzeichnen Sie wichtige Funde (nur Sie kennen Ihre Sammlung wirklich). Regeln Sie nach Möglichkeit selbst, an wen welche Sammlungsteile übergeben werden können. Sichern Sie den Verbleib von Typus-Material oder Originalen zu Publikationen. Sorgen Sie dafür, dass entliehene Stücke an den rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden. Schätzen Sie den Wert von Sammlung, Literatur und Zubehör (Mikroskop etc.) realistisch ein (im Verkaufsfall bekommen Sie noch viel weniger). Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen offen über die Zukunft Ihrer Sammlung.

Freuen Sie sich jeden Tag über Ihre Sammlung und Ihre Lieblingsstücke. Genießen Sie Sammeltouren und gemeinsame Aktivitäten mit Sammlerfreunden.

Wenn Sie Unterstützung brauchen, wir helfen gerne oder vermitteln Hilfe über örtliche Sammlergruppen: info@geschiebesammler.de

 

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